Bei all dem Leid die Hand des Schöpfers spüren,”

Ein bewegtes Leben in einem bewegten Jahrhundert.

Auszüge aus der Biografie von M. Trapp

 


„Feuersalamander in Küchenschürzen”

Die Kindheitsjahre (1924 – 1927)

Mein Bruder Hans kam zwei Jahre nach mir zur Welt und damit war unsere Familie komplett. Er war mein allerbester Bruder. Mit ihm erkundete ich die ganze Gegend und wir durchstreiften die Wälder. Auch wenn wir den lieben langen Tag irgendwo unterwegs waren, brauchte meine Mutter keine Angst um uns zu haben. Die Gegend war dünn besiedelt, und alle waren mit ihren Arbeiten beschäftigt.

Wir spielten im Wald, am kleinen Bach, mit Tannenzapfen und mit allem, was wir unterwegs gefunden haben. Jedenfalls kamen wir immer wieder gut nach Hause, wenn auch mit einigen ungewöhnlichen Mitbringseln. Einmal fanden in meiner Schürze sogar zwei große Feuersalamander ihr vorübergehendes Zuhause. Sie waren kaum zu bändigen und meine Mutter war manchmal ganz schön entsetzt über ihre Tochter. Frösche und Pilze, Vogeleier und Kastanien, alles wurde von uns eingesammelt und nach Hause getragen.

Wenn wir nicht grade irgendwo unterwegs waren, spielten wir zu Hause. Mit den Puppen oder unseren Tieren, die wir über alles liebten. Unsere Hühner wickelte ich in Kopftücher und fuhr sie im Puppenwagen spazieren. Eines Tages klemmte ich mir unter jeden Arm ein Huhn und ging mit ihnen spazieren. Der kleine Weg zum Wald war vom langen Regen ausgeschwemmt und lehmig. Immer wieder rutschte ich aus und wäre fast gestolpert. Aber meine Hühner ließ ich nicht los. Verzweifelt schimpfte ich: „Ärgern muss man sich bei der Keuschen.“ Diesen Ausspruch kannte ich von meiner Mutter, die sich damit ihren Ärger über unser hartes Leben in dem kleinen Haus am Waldrand Luft machte. Sie beobachtete mich eine ganze Weile und lachte sich kaputt, wie ich mich da mit den Hühnern abmühte…



„Wir froren bei glühender Herdplatte”

Der letzte Kriegswinter (Dezember 1944 – März 1945)

Es war der 11. Dezember 1944 – ein eiskalter, aber klarer Wintertag. Ich war gerade erst vor zwei Monaten aus dem Lazarett in Frankreich nach Bruck zurückgekehrt. Eine andere Welt! Auch hier gab es inzwischen regelmäßig Fliegeralarm, aber im Vergleich zu den hunderten und tausenden Verletzten und Sterbenden, die ich vor einigen Wochen noch versorgt hatte, war es hier ruhig und beschaulich.

Ich war in die leerstehende Wohnung meiner Mutter gezogen, die im Juni dieses Jahres verstorben war. Trotz meiner Erschöpfung und des großen Bauches, der mich fast unbeweglich gemacht hatte, war ich guter Dinge und putzte unser neues Zuhause und richtete es ein. Sofern das mit den spärlichen vorhandenen Mittel überhaupt möglich war.

An diesem Tag nun kündigte sich mein Baby an – unmissverständlich. Trotz des Krieges, des Hungers und der Bomben wollte mein Kind das Licht dieser Erde erblicken. Also machte ich mich auf den Weg ins Krankenhaus, wo ich ein Bett erhielt und mich auf die Entbindung vorbereitete. Als die Wehen ganz heftig einsetzten und der Arzt meinte, dass es nun soweit wäre, kam der Fliegeralarm. Ich wurde in den Keller gebracht, in einen ganz altertümlichen Keller mit Waschkessel und Holz. Die Wände waren braun-grau, der Boden roher Beton. Bei heulenden Sirenen kam hier um 13.30 Uhr meine Tochter Maria Ilona zu Welt…