Vom Landarbeiter zum Landesjugendreferenten”

Biografie A. Herzog

Auszüge aus der Biografie von A. Herzog

 


„Der Beginn neuer Zeiten?”

Der Führer zieht ein (1938 – 1942)

Obwohl sich meine Familie, soweit ich mich erinnern kann, nie wirklich politisch betätigte, galt das „Haus Herzog“ doch als schwarz bis in die Knochen und stand damit bald auf der roten Liste der Nazis. Als Kind aber spürte ich, dass man in meiner Umgebung im Herzen traurig war über das neue System, doch wurde nie auch nur eine Silbe darüber verloren.

Meine Erinnerungen an die Zeit des Einmarsches der Deutschen Truppen sind so präsent, dass ich die Geschehnisse eines jeden Tages noch heute aus dem Gedächtnis niederschreiben könnte. So war der 12. März 1938 ein traumhaft schöner Frühlingstag, ein Samstag, trocken, sonnig und die Vögel zwitscherten. Wir kamen wie jeden Morgen in die Schule, doch es waren weder der Lehrer noch der Oberlehrer anwesend. Heute sei kein Unterricht, hieß es. Alle waren unterwegs, um den Einmarsch zu erleben. So machte auch ich mich mit den Mitschülern wieder auf den Heimweg und sah auf einmal Flieger daherkommen, in einer Anzahl, wie ich sie noch nie zuvor gesehen hatte. Zweimotorige und dreimotorige Maschinen warfen Flugblätter ab, auf denen stand: „Der Führer kehrt heim. Ein Volk – ein Reich – ein Führer. Sieg heil!“

Norbert Malzer

1938 als strammer Bub im Deutschen Jungvolk. Ein Dokument der Zeitgeschichte



Unfreiwillig „freiwillig“

Ein Opfer des Gruppenzwangs

Zum Schulschluss 1944 musste unser Jahrgang 1928 eine Woche länger im Schülerheim bleiben. Ein Aufmarsch – wiederum ins Festspielhaus - stand am Programm. Ich saß in der vorletzten Reihe hinten, nur durch den Gang getrennt von den hohen Parteifunktionären, den so genannten „Goldfasanen“, die nicht die üblichen dunkelbraunen Uniformen trugen, sondern charmant hellbraune Paradeuniformen. Daher ihr Spitzname. Es gab eine Reihe von Ansprachen, die alle die großartigen Leistungen der deutschen Soldaten zum Inhalt hatten und die notwendige Bereitschaft, auch Opfer zu erbringen. Die Veranstaltung endete mit dem Aufruf: „Und wer ist bereit, in die Fußstapfen der großen deutschen Wehrmacht zu treten und meldet sich nun als Kriegsfreiwilliger?“ Von meinem Platz hinten konnte ich sehen, wie sich Reihe um Reihe alle erhoben. Und auf einmal stand ich auch. Es wäre einfach nicht möglich gewesen, als Einziger sitzen zu bleiben. Anschließend ging es im Triumphzug aus Einheiten der Waffen-SS, Wehrmacht, einer Musikkapelle und dem Spielmannszug, der Hitlerjugend und dem mutigen Block der „Kriegsfreiwilligen“ durch die Stadt Salzburg hinaus bis zum Bahnhof und wieder zurück. Der Jubel vom Spalier an den Straßen war mäßig. Als wir zum Festspielhaus zurückkehrten, lagen dort bereits die Anmeldeblätter auf. Wer sich gemeldet hatte, der bekam einen Annahmeschein. Wir wurden zu „Männern der roten Kordel“. Das bedeutete, dass das Schulterstück unserer Uniformen fortan eine rote Kordel zierte. Kriegsfreiwilliger! Es gab kein Entrinnen. In die Schule zu gehen, ohne diese rote Kordel, wäre gegenüber den Kameraden eine Blamage gewesen. Es hätte als feig gegolten. Der Gruppendruck war übermächtig.