„Meine ungewöhnlichen Reisen. Schritte der Hoffnung“ |
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Auszüge aus der Biografie von Annemarie Kury |
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Kriegssplitter. Schon seit Tagen hörte ich aus Radio und Fernsehen, dass Karlovac wieder beschossen wurde. Bei einer kurzen Rast an der Autobahnstation nahe der österreichisch-slowenischen Grenze kam ich mit einem Steirer ins Gespräch, der mir den Unsinn der humanitären Hilfe erklären wollte: „Alle verhungern lassen, krepieren lassen, damit wäre der Krieg gleich zu Ende." Es kostete mich zwanzig Minuten Zeit, meinen Standpunkt zu erklären. Letztlich gab er mir ein Paket Kaffee mit und wünschte mir eine gute Reise. Schon ab Wien war ich im starken Regen unterwegs gewesen. Sechs Stunden später lief der Scheibenwischer immer noch auf höchster Stufe. In Karlovac angekommen kam Franziskanerpater und Flüchtlingsbetreuer Vlado gerade von einem Begräbnis und eilte zur Totenmesse. Die Front war nur zwei Kilometer entfernt. Es wurde täglich geschossen, es gab jeden Tag Begräbnisse von Soldaten und Zivilisten. Ich hätte Glück, erklärte mir Pater Vlado. Bei so starkem Regen würden die Tschetniks nicht schießen. Da schliefen sie und erholten sich. Die Dächer, die über den Sommer repariert worden waren, waren in den letzten Tagen erneut zerstört worden. Die Flüchtlingslager hatten keine Fenster und durch das offene Dach regnete es herein. Auch in der Kirche stand das Wasser. Die bunten Glasfenster waren zerstört. Zum Schutz der Gläubigen waren drei Meter hoch Sandsäcke geschlichtet. Tief ergriffen feierte ich mit den Trauernden die Totenmesse im Schutz der Sandsäcke - nur die Wassertropfen und leises Weinen konnte man hören. |
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